"Miss Marple"
am Beckenrand

Kunstausstellung im Hallenbad eröffnet / Werke von Menschen mit Behinderungen
Weser-Kurier 29.05.2000
(Von unserem Redakteur Holm Holthusen)


Bassum
Zebra und Giraffe stehen im tiefen Schwimmerbecken. Igel und Schildkröte sind im flacheren Wasser gegenüber zu sehen. Beobachtet von "Miss Marple", die auf dem Beckenrand Platz genommen hat.
Die Pappmaschee-Tiere und -Figuren sind Objekte einer Kunstausstellung im Hallenbad Bassum. Titel:
"Bei uns geht die Kunst nicht baden".

Foto: © Frank Koch
Foto: © Frank Koch
Blickfang: Die Giraffe aus Pappmaschee im Schwimmerbecken des Bassumer Hallenbades.
Noch bis zum 4. Juni sind hier Kunstwerke ausgestellt.


Seit Sonnabend sind in der Schwimmhalle Skulpturen, Stockpuppen, Collagen, Ton-Objekte, Bilder und Zeichnungen zu sehen. Geschaffen haben die Exponate Bewohnerinnen und Bewohner von Wohnanlagen der Lebenshilfe in Twistringen und Sulingen, des Refugiums in Affinghausen und der Diakonie Freistatt. Für die organisatorische und künstlerische Leitung zeichnet Bärbel Bahlke-Meisel verantwortlich.

Das formale Grundrecht, nach dem niemand wegen seiner Behinderung benachteiligt werden darf, wird erst durch Aktivitäten wie eine solche Ausstellung "mit Leben erfüllt", sagte Bassums Bürgermeister Gerd Stötzel in der Eröffnungsansprache. Den musikalischen Part zum Auftakt der Ausstellung gestaltete die Band "Bozzos Freunde" (Rainer Wölk, Helga Rüthing und Uli Preuss).

An die herzlichen Dankesworte von Schirmherr Gerd Stötzel an die Adresse von Bärbel Bahlke-Meisel schloss sich auch der pädagogische Leiter der Volkshochschule (VHS), Gerhard Thiel, an. Unter dem Dach der VHS organisiert die bildende Künstlerin seit mehreren Jahren Kunstkurse für Menschen mit Behinderungen und Projektreisen.

Die Seminare sind so konzipiert, daß sie einem künstlerischen Anspruch folgen, schreibt Bärbel Bahlke-Meisel in den ausliegenden Begleit-Materialien. "Die Kurse sind keine Beschäftigungs- oder ergotherapeutische Angebote", betont die in Sudwalde lebende Künstlerin.

Die jetzt in Bassum präsentierten Exponate unterstreichen diese Aussage. Die Werke sind zumeist farbenfroh und fantasievoll, entfalten eine intensive Wirkungskraft. Die einzelnen Objekte sind in dem ungewöhnlichen Galerie-Ambiente zudem geschickt arrangiert. Lebensgroße Stockfiguren mit weit ausgebreiteten Armen lenken den Blick einladend auf die Objekte in ihrer Mitte.

Die Ausstellung im Halldenbad ist noch bis zum 4. Juni zu sehen. Die Öffnungszeiten reichen werktags von 16 bis 19 Uhr und am Wochenende sowie am Himmelsfahrtstag von 15 bis 19 Uhr. Begleitend sind Ausstellungen in der Sparkasse, der Volksbank und dem Rathaus der Stadt Bassum zu sehen, die vorwiegend mit Bildern und Zeichnungen älterer Bewohner des Refugiums Sudwalde und des Altenhilfezentrums Heimstatt bestückt sind. Diese Präsentationen können während der üblichen Geschäftszeiten betrachtet werden.