Befreiung durch
Kunst
in Farbenpracht
Bilder und Objekte Behinderter im Hallenbad /
Ungewöhnlicher Rahmen, ungewöhnliche Schau
Kreiszeitung 29.05.2000
(Walter Brackland)


Bassum (bra)


Ins Hallenbad Bassum zum Schwimmen? Fehlanzeige! Seit Samstag Nachmittag - und noch bis zum 4. Juni heißt es dort in leeren Schwimmbecken: "bei uns geht die Kunst nicht baden". Schirmherr der Ausstellung, Bürgermeister Gerd Stötzel, prägte diesen Slogan für eine nicht alltägliche Ausstellung.


Foto: © Walter Brackland
Foto: © Walter Brackland


"Eine ungewöhnliche Ausstellung gehört in einen ungewöhnlichen Rahmen, wir lassen niemand 'baden gehen', wir wollen nicht, dass jemand baden geht, nicht im übertragenen Sinne des Wortes", begrüßte Stötzel die große Schar der Besucher und sprach gleichzeitig die Hoffnung aus, dass sich noch viele Menschen diese besondere Ausstellung ansehen.

Der neue pädagogische Leiter der Kreisvolkshochschule, Herr Thiel, dankte der Künstlerin Bärbel Bahlke-Meisel, die für die organisatorische und künstlerische Leitung verantwortlich zeichnet, den ausstellenden Künstlern sowie den Sponsoren, "ohne die eine derartige, gelungene Ausstellung nicht möglich ist. Als VHS haben wir den Anspruch, möglichst viele unterschiedliche Menschen zusammenzubringen, ich denke, das ist hier gelungen."

Im Hallenbad Bassum zeigen Bewohner aus verschiedenen Wohnanlagen der Lebenshilfe in Sulingen und Twistringen ihre Skulpturen, Objekte und Bilder, ihre lebensgroßen Stockpuppen.

Bewohner des Refugiums "Zum Eichengrund" in Sudwalde haben Karton-Objekte erstellt, die Bewohner des Altenhilfezentrums Heimstatt/Freistatt Holzkollagen.

Weitere Objekte bestehen aus Ton (Wohngruppe Scharrel der Jugendhilfe). Die Bewohner des Refugiums "Heimathof" in Affinghausen präsentieren ihre Bilder. Begleitende Ausstellungen werden gezeigt im Rathaus, in den Räumen der Kreissparkasse und der Volksbank.

Ein Rundgang durch die Ausstellung zeigte eine Vielfalt an verarbeiteten Materialien, zeigte Gestaltungsvielfalt der Schöpfer von "Vogelwesen", "Giraffe" oder "Zebra" oder ganz einfach "gelb/dunkelrote Blume".
Keine Spur von Tristesse, von Graumalerei oder vorherrschenden dunklen Farben.

Im Gegenteil, eine bunte Farbenpracht und Formenvielfalt, die Fantasie des Betrachters anregend. Aufmerksamkeit erheischend, Abstraktes und Gegenständliches in einer Umgebung, in der man es nicht vermutete, angefertigt von Mitmenschen, die sich durch die Kunst befreien.

Ermöglicht wurde das Gezeigte durch jahrelange Arbeit von Bärbel Bahlke-Meisel ihre Kunstkurse, in Zusammenarbeit mit der VHS - für Menschen mit Behinderung.

Die Kurse sollen die individuellen Ausdrucksmöglichkeiten eines jeden Teilnehmers fördern, eigene Fähigkeiten entdecken und weiterentwickeln helfen. Wie gut das gelungen ist zeigt eindrucksvoll die Schau bei uns geht die Kunst nicht baden.

Musikalisch eröffnet wurde die Ausstellung durch die Musikband 'Bozzos Freunde' mit Rainer Wölk, Helga Rüthing und Uli Preuss.